PETER FISCHER-VON INS, KINESIOLOGE IKBS

Kinesiologie Biel » Muskeltest 2

Der Muskeltest

Teil 2: Der Muskeltest und das autonome Nervensystem

Das Verhalten des Menschen wird durch zwei verschiedene Systeme gesteuert: durch den Verstand und durch das Unbewusste – das Unbewusste verstanden als Instanzen, zu denen unser Verstand und Wille keinen unmittelbaren Zugang haben. Die beiden Systeme arbeiten unterschiedlich schnell. Wenn eine Information oder ein Sinnesreiz im Gehirn registriert wird, erfolgt umgehend, das heisst innerhalb von 200-300 Millisekunden1), eine Reaktion des Unbewussten. Beispiel: In Momenten, wo uns Gefahr droht, übernimmt das autonome Nervensystem als Teil des Unbewussten sofort die Steuerung sämtlicher Muskeln. Die Muskelanspannung steigt rapide an, der Körper ist bereit zum Kampf oder zur Flucht. Der Verstand arbeitet im Vergleich langsam. Der Verarbeitungsweg vom Eintreffen der Information bis zur Hirnrinde, wo das Gehirn rational arbeitet, ist länger und viel langsamer.

In der kinesiologischen Arbeitsstunde wird das Gehirn gezielt mit verschiedenen Reizen und Impulsen konfrontiert.

  • Gedanken und Erinnerungen, die über verschiedene Sinneseindrücke in unserem Gedächtnis verankert sind (über bildhafte Vorstellungen, Töne, Gerüche, die oft auch eine emotionale Komponente enthalten).
  • Zukünftige Ereignisse, z.B. Prüfungen, die Druck und Stress auslösen.
  • Emotionen, die uns einerseits vertraut sind, uns andererseits aber belasten.
  • Glaubenssätze, die bewusst oder unbewusst unser Welt- und Selbstbild beeinflussen.
  • Materialien, Stoffe, die Allergien auslösen können.
  • Lebensmittel, die in Verdacht stehen, dass der Körper sie nicht gut erträgt.

Auf diese Reize und Informationen reagiert, wie oben beschrieben, nicht nur der Verstand, sondern auch das Unbewusste. Die Muskelreaktion als eine Antwort des autonomen Nervensystems gibt einen Hinweis, wie das Unbewusste einen Reiz oder eine Information bewertet. Das Prinzip der Bewertung ist einfach: positiver Reiz oder negativer Reiz2). Die negative Bewertung löst eine Alarmbereitschaft aus, die sich auch auf die Funktionsweise der Muskeln überträgt. In der kinesiologischen Praxis zeigt der Muskeltest, in welcher Beziehung Informationen, die das Gehirn der Klientin empfängt, zu ihrem Wohlbefinden stehen – ob es sogenannte Stressoren sind oder ob sie als neutral/positiv zu interpretieren sind.

Die Muskelreaktion beim Muskeltest ist eine subjektive, zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgte Bewertung. Deshalb ist ein besonnener Umgang mit dem Muskeltest nötig. Er darf auf keinen Fall für eine angebliche „Wahrheitsfindung“ missbraucht werden. Zufriedene Klienten und Klientinnen, die dank kinesiologischer Arbeit eine Steigerung ihres Wohlbefindens und ihrer Lebensqualität erfahren haben, sind für mich Grundlage genug, um den Muskeltest verantwortungsbewusst einzusetzen.

1) Der bekannte Neurowissenschaftler Antonio R. Damasio hat nachgewiesen, dass der Mensch eine Situation unbewusst innerhalb von 200 Millisekunden affektiv bewertet.

2) Gemäss Damasio erfolgt die Bewertung nach einem einfachen Prinzip. Die vorgefundene Umwelt wird in günstige und ungünstige Umwelten unterteilt (Damasio, 2001).

 

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